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Otokar-Fischer-Preis 2017

Der Otokar-Fischer-Preis 2017 wird Tilman Kasten für seine Monografie Historismuskritik versus Heilsgeschichte – Die Wallenstein-Romane von Alfred Döblin und Jaroslav Durych (Böhlau 2016) verliehen.

 

Der Wallenstein-Stoff war Grundlage einer beträchtlichen Menge literarischer Texte, Tilman Kastens Buch beschränkt sich jedoch mit gutem Grund auf zwei von ihnen: Alfred Döblins Wallenstein sowie Jaroslav Durychs Bloudění (auf Deutsch unter dem Titel Friedland) wurden fast zur selben Zeit (1920 bzw. 1929) veröffentlicht und in Deutschland und der Tschechoslowakei in Beziehung zueinander rezipiert (zumal wurden beide kurz nach Erscheinen in die jeweils andere Sprache übersetzt). In ihrer Behandlung der Figur des böhmischen Adligen und Feldherren Albrecht von Wallenstein sind beide

Werke Ausdruck einer radikalen Absage an konventionelles historisches Erzählen. Während Durych seinen Text jedoch in das Genre des nationalen historischen Romans einreiht, betreibt Döblin eine radikale Dekontextualisierung. Durych bearbeitet den Stoff zudem mit einer sichtbaren Betonung auf dem Heilsgedanken. Die Dissertation des Slavisten und Germanisten Tilman Kasten zeigt, dass beide Bücher nicht nur Ausdruck einer parallelen, wenn auch verschiedenen Entwicklung des Literaturgenres des historischen Romans in der tschechischen und deutschen Literatur sind, sondern zugleich lässt sich an ihnen sehr fruchtbar die Rezeption im Rahmen des deutsch-tschechischen Literaturtransfers nachverfolgen.

 

Tilman Kasten, Literatur- und Kulturwissenschaftler. Studierte Neuere deutsche Literaturgeschichte, Westslavische Philologie sowie Europäische Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und wurde dort 2014 promoviert. Von 2013 bis 2017 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg, Geschäftsführer der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde sowie Mitherausgeber des Jahrbuches der Kommission. Seit April 2017 ist er wissenschaftlicher Koordinator des Sonderforschungsbereichs 1015 „Muße. Grenzen, Raumzeitlichkeit, Praktiken“ an der Universität Freiburg.