Aktuelles im IPSL

Jakub Raška über eine kurze Biografie Alfred Meißners (29. 3. 2017)

Der neue deutsch-tschechische E*forums-Beitrag widmet sich der allerersten Monografie über den deutsch schreibenden Schriftsteller Alfred Meißner (1822–1885), gebürtig aus Teplice / Teplitz; sie stammt aus der Feder des amerikanischen Germanisten Jeffrey L. Sammons. Nach Urteil des Rezensenten gibt der Autor eher eine kommentierte Werkübersicht, während er grundlegenden Forschungsfragen zu Meißner größtenteils ausweicht: „Mit nur einem Satz tut er Meißners Auseinandersetzung mit der Beziehung der Deutschen und Tschechen ab, oder dessen erfolglosen Versuch, eine gemeinsame Koalition beider Ethnien während der Revolution 1848 zu bilden, der jedoch von den tschechischen Nationalliberalen mit František Palacký an der Spitze abgelehnt wurde. Dabei war Meißner kurz vor seiner Emigration nach Leipzig einer der Stammautoren der Prager Zeitschrift Ost und West, die sich außer den unbestrittenen intellektuellen Qualitäten gerade um die Brückenbildung zwischen dem deutschen und tschechischen Ethnikum in Böhmen bemühte. Meißners Einstellung zum aufkommenden Nationalismus der Mitte des 19. Jahrhunderts verdiente eine eigene Analyse.“

Martin Hořák über die Deutschböhmische Ausstellung in Liberec 1906 und 2016 (15. 3. 2017)

Die sogenannte Deutschböhmische Ausstellung, die im Jahre 1906 in Liberec / Reichenberg stattfand, sollte „den Beweiß liefern, daß gerade das deutsche Volk Böhmens der vornehmste Träger der wirtschaftlichen Wohlfahrt des Reiches ist“ und dadurch „die Berechtigung der darauf fußenden politischen und nationalen Forderungen unseres deutschböhmischen Volkes erhärtern“. Der neue deutsch-tschechische Beitrag zum E*Forum behandelt zwei 2016 veranstaltete Reichenberger Ausstellungen und insbesondere die Publikation Německočeská výstava Liberec 1906 / Deutschböhmische Ausstellung Reichenberg 1906 (Hg. Anna Habánová), die diesem Ereignis gewidmet waren. Laut des Autors der Rezension kann man in der Ausstellung 1906 „eine repräsentative und authentische Darstellung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation sehen, in der ein wichtiger Teil der deutschsprachigen Bevölkerung Böhmens in der letzten Dekade vor dem Ersten Weltkrieg lebte. Bei der aktuellen Auseinandersetzung mit der damaligen Ausstellung ist aus fachlicher Perspektive besonders der Erkenntnisgewinn über die deutschböhmische Kunstszene an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert bis hin zur Zwischenkriegszeit hervorzuheben. Zur Erforschung dieser Szene haben in den letzten Jahren vor allem die Kunsthistoriker Anna Habánová und Ivo Habán beigetragen, deren erster Beitrag die Ausstellung ‚Junge Löwen im Käfig‘ / ‚Mladí lvi v kleci‘ im Jahre 2013 war.“

Alfred Endler über Paul Leppin (1. 3. 2017)

Mit einem kurzen Artikel aus dem Jahre 1921 stellen wir heute im E*forum den aus Liberec / Reichenberg stammenden Alfred Endler (1897 – ?) vor. Als Schriftsteller von Prosa und Dramen trugt er mit literarischen Ausschnitten und Kritiken zur Prager Presse, dem Prager Tagblatt und der Halbmonatsschrift Wahrheit bei, arbeitete höchstwahrscheinlich jedoch auch für den Berliner Börsen-Courier. Leppins Werk stelle, so Endler, eine Übergangsform dar, nämlich „zwischen Décadence und Expressionismus. Wenn der Décadent ‚sehr‘ vor das Adjektiv setzt, so ist dies weder Kalligraphie, noch Pose. Es ist einfache, sachliche Feststellung seines Gefühlsbetonungs-Grades, seiner Wahrnehmungs-Intensität. Er schreibt ‚sehr‘, weil er sehr sieht, hört oder entzückt wird, oder verletzt. Dies ist die Definition des Décadent: ein Maximum an Senkung der Reizschwelle. Er sieht dort noch, wo andere nichts mehr sehen. Er wird dort betäubt, geblendet und übererregt, wo andere ‚normal‘ wahrnehmen und gleichgültig bleiben. [...] Bis endlich die Wende eintritt vom Décadent zum expressionistischen Menschen, von der Willensschwäche zum Reizhunger, vom ‚Gartenglück‘ zur Unterdrückung, aber dadurch Rettung des Herzens im Exzeß.“

Der Otokar-Fischer-Preis für deutsche BohemistInnen (24. 2. 2017)

Das Institut für Literaturforschung vergibt ab diesem Jahr einen Preis für eine in außergewöhnlichem Maße einträgliche deutsche Arbeit zur Geschichte der tschechischen Literatur, Sprache und Kultur. Das Ziel des Preises, der sich an Deutsch schreibende BohemistInnen richtet, ist es, die bedeutendsten deutschsprachigen und in Deutschland herausgegebenen Facharbeiten mit tschechischer Thematik auszuzeichnen und sichtbar zu machen. Der Preis, der nach dem bedeutenden Bohemisten, Germanisten und Förderer der sogenannten „Germanoslavica“ Otokar Fischer benannt ist, wird in Anwesenheit des Preisträgers / der Preisträgerin im Juni 2017 im Prager Kampa-Museum feierlich überreicht werden, gemeinsam mit dem renommierten F. X. Šalda-Preis für Kunstkritik. Mehr Informationen unter www.ipsl.cz/ofp, eine Pressemitteilung finden Sie hier.

Neuerscheinungen: Echa 2016 und Echos 2016 (16. 2. 2017)

Das IPSL bringt soeben den 6. Jahrgang der Echa und den 3. Jahrgang der Echos als e-Bücher heraus. Beide Sammlungen von Original-Artikeln bieten kritische Reflexionen der aktuellen Literaturwissenschaft und Rezensionen von Fachpublikationen, und zwar mit Ausrichtung auf Bohemistik (Echa) und Germanobohemistik (Echos). Mit Jahresbeginn 2017 hat das literaturwissenschaftliche E*Forum für (Germano)Bohemistik online die beiden bislang getrennten Reihen der Echa und der Echos miteinander verknüpft. Das E*forum ist auf eine territorial verstandene Bohemistik ausgerichtet und berücksichtigt stärker auch die ältere Literatur. Die Jahrbücher Echa und Echos 2016 umfassen außer den eigentlichen Texten der beiden Rubriken „Es schreiben“ und „Es schrieben“ kurze Biografien der AutorInnen und RedakteurInnen, ein Verzeichnis der rezensierten Bücher sowie ein Namensregister. – Echa 2016 sowie Echos 2016 sind kostenlos erhältlich auf der IPSL-Webseite sowie bei den tschechischen Distributoren.

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