Aktuelles im IPSL

Matouš Turek schreibt über die mittelalterliche deutschsprachige Literatur (20. 3. 2019)

Der neue Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum verweist auf den mittelhochdeutschen Versroman Wilhelm von Wenden von Ulrich von Etzenbach, herausgegeben von Mathias Herweg unter dem Titel Wilhalm von Wenden. Text, Übersetzung, Kommentar. „Ulrich von Etzenbach, Dichter am Hofe des böhmischen Königs Přemysl Ottokar II. und später auch seines Sohnes Wenzel II., erzählt die melodramatische Geschichte des slawischen Heidenkönigs Wilhelm und seiner Frau Bene. Der verwaiste Wilhelm besteigt mit zwölf Jahren den Thron und nimmt die gleichaltrige Bene zu Frau. Mit achtzehn unternimmt er in Verkleidung eine Pilgerfahrt zu Christus, während der er sich heimlich von seiner Frau trennt und die frisch geborenen Zwillingssöhne verkauft, um alleine nach Jerusalem zu gelangen. Dort lässt er sich taufen und beteiligt sich am Kampf gegen die Sarazenen. Auch Bene und die Zwillinge erleben wundersame Peripetien an unterschiedlichen Orten der Welt, bis die drei Handlungslinien wieder zusammenfließen und in einem guten Ende münden: Die Familie kommt wieder zusammen und kehrt zurück in die Heimat, um dort nicht nur die Herrschaft zu übernehmen, sondern auch den richtigen Glauben zu verbreiten.“

Václav Fronk schreibt über Napínavá doba (Eine spannende Zeit) (6. 3. 2019)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum befasst sich Václav Fronk mit der im letzten Jahr erschienenen Publikation Petr Karlíčeks mit dem Titel Napínavá doba. Politické karikatury (a satira) Čechů, Slováků a českých Němců (1933–1953). „Die verschiedensten Fehltritte gegen die Grundregeln eines publizierten Fachtexts sind dermaßen zahlreich und offensichtlich, dass sie zum Gedanken verleiten, es könne sich auch um boshafte Absicht handeln. Das Buch ist in jedem Fall eine gute Gelegenheit, über den Sinn der Arbeit eines Historikers im 21. Jahrhundert nachzudenken. Persönlich sehe ich diesen in zweierlei Grundfertigkeiten: Fragen zu stellen und Begriffe korrekt zu verwenden in einer Zeit, in der der Wille, einen echten Dialog zu führen, aus dem öffentlichen Raum schwindet und der Sinn von Worten verwischt. Eine spannende Zeit von Petr Karlíček zeigt allerdings eindrucksvoll, dass man auch ohne beides ganz gut zurechtkommt. So ist es immerhin möglich, sich auf fast genial einfache Weise mit einem Thema auseinanderzusetzen, das sonst zu den überhaupt anspruchsvollsten gehört.“

Jan Budňák schreibt über die Laboratorien der Moderne (20. 2. 2019)

Der aktuelle Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum bringt die Sicht von Jan Budňák auf den im Jahre 2016 erschienenen und von Bernd Stiegler und Sylwia Werner herausgegebenen Sammelband mit dem Titel Laboratorien der Moderne. „Die etwa dreihundert Seiten fassende Publikation kann nicht alle mittel- und osteuropäischen Modernen beinhalten, die sich in den jeweiligen, bislang mehr oder weniger – zumindest aus deutscher Perspektive – vernachlässigten kleinen, deutlich pluralistischen Zentren herauskristallisierten. Diese Absicht ist wegen ihrer breiten kulturwissenschaftlichen Ausrichtung doppelt unmöglich. In einem engeren, etwa einem germanobohemistischen Rahmen ergeben sich aus den Texten wie auch aus dem Konzept eines Laboratoriums der Moderne viele inspirierende und vor allem lösbare Fragen: Wie hängt beispielsweise Otokar Fischers 1909 auf Tschechisch, 1910 auf Deutsch erschienene Studie O nevyslovitelném (Das Unnennbare), die mit ähnlichen Quellen arbeitet wie Brod und Weltsch (Hofmannsthal, Mauthner), mit Brods „Theorie des Verschwommenheit“ zusammen? Ist sie Ausdruck desselben „Wissensraums“, der eine örtlich-spezifische Form der Moderne darstellt?“

Lucie Antošíková schreibt über die Konferenz Wie schreibt man transkulturelle Literaturgeschichte? (6. 2. 2019)

Im Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum berichtet Lucie Antošíková diesmal über die im November 2018 stattgefundene Konferenz zum Thema Wie schreibt man transkulturelle Literaturgeschichte? „Obwohl diese wie auch die Titelfrage der Konferenz Wie schreibt man transkulturelle Literaturgeschichte? bis zum Schluss unbeantwortet blieben, zeigten die einzelnen Präsentationen und auch die Reaktionen aus dem Publikum deutlich, dass es in der Fachöffentlichkeit durchaus Bedarf an einer neuen Auffassung von Literaturgeschichte gibt. Spürbar war jedoch auch eine allgemeine Skepsis gegenüber der Erfüllung dieses Bedarfs in Form einer Literaturgeschichte, die die Literatur der Böhmischen Länder über die ganze Zeit ihrer Existenz hinweg und gleichzeitig in ihrer ganzen Breite, also einschließlich jeglichen Übergreifens nationaler Grenzen, umfassen würde.“

Lena Dorn schreibt über die Übersetzung von Literatur (16. 1. 2019)

Der aktuelle Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum ist der Übersetzung von Literatur nach Radek Malý gewidmet. Sein Buch Příběhy básní a jejich překladů (Geschichten von Gedichten und ihren Übersetzungen) bespricht Lena Dorn. „Das relativ kleine Buch gibt eine Ahnung von vielen Gedanken und Erkenntnissen, die im Prozess des Übersetzens eine Rolle spielen und einen Weg zur Wahrheit hin versprechen, die aber im fertigen Produkt, im fertigen Text, der Version, für die sich der Übersetzer dann entscheiden muss, nicht mehr als Bewegung erkennbar, sondern gleichsam im Moment erstarrt, gefestigt, ewig erscheinen müssen. Die Suchbewegung bleibt in der Poetik der Übersetzung aufgehoben. Das bedeutet auch, dass sie in der Poetik einer Übersetzung zugänglich gemacht werden kann, wie Radek Malý zeigt.“

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