Aktuelles im IPSL

Markus Grill schreibt über Anton Kuh (6. 11. 2019)

Mit dem aktuellen Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum stellt Markus Grill die Persönlichkeit Anton Kuhs vor, und zwar anhand der im letztem Jahr herausgegebenen ersten Biografie zu Anton Kuh aus der Feder Walter Schüblers. „Anton Kuhs (1890–1941) Rolle in der Literaturgeschichte beschränkte sich lange Zeit auf den Pointenlieferanten. Die zahlreichen witzigen Anekdoten über den jüdischen Publizisten und Stegreifredner wurden von Feuilletonisten wie von Literaturwissenschaftlern über Jahrzehnte hinweg weitergeschrieben. Dankbar bedienten sie das Bild des genialisch-schlampigen Kaffeehausdichters, der sich durch Cafés und Hotelbarsschnorrt und seinen Gönnern für jede Gefälligkeit ein Bonmot abwirft.“

Emil Saudek schrieb über Hugo Sonnenschein (23. 10. 2019)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum bringen wir ein Essay von Emil Saudek mit dem Titel Kulturbastard, der im Februar 1911 im Slavischen Tagblatt erschien, und dessen Hauptfigur der aus Gaya (Kyjov) stammende Dichter Hugo Sonnenschein ist. „Die Bezeichnung ‚Kulturbastard‘, wie sich der Dichter in schüchterner, selbstironisierender Traurigkeit nennt, trifft nicht nur zu, wenn man die bunten nationalen, religiösen und sozialen Elemente, die diesen Dichter zusammengewürfelt haben, ins Auge faßt, sie gewinnt auch ihre symbolische Bedeutung, wenn man seine Art, die Lebenserscheinungen zu betrachten, kennzeichnen will. Jedem seiner Blicke auf ein Einzelnes, jedem seiner Urteile geht unbewußt eine Kreuzung unendlich vieler Anschauungen anderer voran. Kulturen einsamer Herzen, ebenso wie aller in der Masse und mit der Masse lebender Eiferer, haben zwar die größte Blutschande in ihm getrieben, bevor seine Synthesen geboren wurden. In diesem Buche lebt auch ein gutes Stück dessen, was die moderne čechische Literatur der Neunzigerjahre genährt hat, es gibt hier Gedichte, die an den früh verstorbenen Hlaváček, mahnen (Meine Sprache), an Stan. Karel Neumann, dem Sänger der ‚Apostrophy hrde a vašnivé‘, an Jiří Karásek, den berichtigten Dekadenten und den großen Barden Bezruč.“

Veronika Jařabová schreibt über das Prager jüdische Großbürgertum im 19. Jahrhundert (9. 10. 2019)

Der heutige Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum ist eine Buchbesprechung von Veronika Jařabová zur Publikation Nur eine "Geld-Emancipation"? Loyalitäten und Lebenswelten des Prager jüdischen Großbürgertums 1800–1867 der Autorin Martina Niedhammer aus dem Jahre 2017. „Das Grundgerüst des ganzen Textes bildet Niedhammers innovatives Konzept, mit dem sie diverse Aspekte der „Lebenswelten“ ausgewählter ProtagonistInnen des Prager jüdischen Großbürgertums (nicht nur) mithilfe von Topografie beleuchtet. Die Verbindung zwischen den AkteurInnen und bestimmten Orten, die sie symbolisch auf eine ganze soziale Schicht überträgt, hat einen stark metaphorischen Charakter.“

Manfred Weinberg schreibt über Franz Kafka zum zweiten Mal (26. 9. 2019)

Den ersten Kafka-Beitrag von Manfred Weinberg für das deutsch-tschechische E*forum ergänzt die heutige Besprechung zu Markus Grafenburgs Dissertation Gemeinschaft vor dem Gesetz. Jüdische Identität bei Franz Kafka aus dem Jahre 2016. „Während es den der Biographie Kafkas geltenden Kapiteln gelingt, die Frage nach der ‚Conditio moderna Judaica‘ als Lebensthema Kafkas zu erweisen (auch wenn die Diagnose der Monokausalität eine der in der Kafka-Forschung üblichen Übertreibungen darstellt), unterstehen die Interpretationen dem Verdikt von Manfred Engel: Alles ist schon vorentschieden. Der vorausgesetzten These wird die genaue Lektüre geopfert und nur das in die Analysen aufgenommen, was sie stützt.“

Manfred Weinberg schreibt über Franz Kafka (11. 9. 2019)

Heute eröffnen wir die zweiteilige Beitragsreihe für das deutsch-tschechische E*forum von Manfred Weinberg zu Franz Kafka. Der erste Text ist eine Buchbesprechung zum Buch Franz Kafka: Der ‚Landarzt‘-Zyklus. Freiheit – Schrift – Judentum von Marcel Krings, das vor zwei Jahren in Heidelberg herausgegeben wurde. „Manfred Engel hat die Schnittmenge der unterschiedlichen Deutungsansätze, mit denen die Kafka-Forschung auf diese Malaise reagiert hat, so resümiert: Gemeinsam sei ihnen, „dass sie [...] das ‚Eigentliche‘ ‚hinter‘ oder ‚unter‘ der ‚uneigentlichen‘ Textoberfläche nicht wirklich suchen, sondern bereits gefunden haben. Vor jeder Interpretation wissen sie, worauf der Text hinausläuft, hinauslaufen muss – und der Interpretationsakt besteht hauptsächlich darin, einen (mehr oder weniger) plausiblen Bezug zwischen der Textoberfläche und dieser ‚Bedeutung‘ herzustellen.“ (Kafka lesen – Verstehensprobleme und Forschungsparadigmen. In: Bernd Auerochs / Manfred Engel: Kafka-Handbuch, Stuttgart: Metzler, 2010, S. 424) Auf diese Weise lässt sich alles in Kafkas Texte hineinlesen. Das immerhin zeigt die hier zu besprechende Studie (Marcel Krings: Franz Kafka: Der ‚Landarzt‘-Zyklus. Freiheit – Schrift – Judentum [Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2017]) mit den am Anfang jeder Interpretation stehenden Forschungsüberblicken in großer Prägnanz.“

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