Aktuelles im IPSL

Es schrieb Otokar Fischer (2. 12. 2020)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums schenken wir im Rahmen der Rubrik ES SCHRIEBEN Aufmerksamkeit einem vergessenen Text von Otokar Fischer, der 1929 in Prager Presse abgedruckt wurde. „In gewisser Beziehung sind ja sowohl die deutschen Slavisten als die slavischen Germanisten den Vertretern der Vermittlungs- oder Grenzwissenschaften zuzuzählen, und so verschiedenartig die hier und dort aufzusteckenden Forschungsziele sein mögen, so ist doch, gefühlsmäßig, eine Analogie hervorzuheben; die besteht darin, daß Muttersprache und Milieu des Forschers gegen das Objekt seiner Untersuchungen scharf abgegrenzt erscheinen, daß er also einen gewissermaßen fremden Gegenstand zu behandeln sich berufen fühlt.“

Man schrieb über das Ständetheater (18. 11. 2020)

Anlässlich des 100. Jubiläums der Beschlagnahme des Ständetheaters durch den Solistenklub des Nationaltheaters [Klub sólistů Národního divadla] bringen wir im Rahmen des deutsch-tschechischen E*forums einen thematischen Text aus dem Neuen Wiener Journal vom 17. 11. 2020. „Jetzt sind sie nicht mehr die unterdrückten, sondern die siegreichen Tschechen, die gegen die Deutschen losgehen, und sie ihre Übermacht spüren lassen. Prag war gestern der Schauplatz von Szenen, die die leitenden Persönlichkeiten der tschecho-slowakischen Republik vielleicht noch mehr bedauern mögen als die betroffenen Deutschen selbst. Als man vernahm, daß an die Spitze des tschecho-slowakischen Staates ein Mann wie Masaryk gestellt wurde, hätte man dergleichen für nicht möglich gehalten. Der Aufstand wandte sich vornehmlich gegen Stätten deutscher Geistigkeit, gegen das Theater, die zwei großen Zeitungen in Prag, auch gegen das politische Zentrum der Prager Deutschen, das Kasino. Es war Pöbel, der gleichzeitig den Ausbruch seiner nationalen Gefühle dazu benutzte, um zu zerstören und zu plündern.“

Marie Krappmann schreibt über den Nachlass von Jiří Levý (28. 10. 2020)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist dem Übersetzer und Literaturtheoretiker Jiří Levý gewidmet. Die Masaryk-Universität in Brünn gab im letzten Jahr unter der editorischen Leitung von Ivana Kupková und Zbyněk Fišer eine Monografie von Texten zu seinem Nachlass mit dem Titel Jiří Levý: zakladatel československé translatologie [Jiří Levý: Begründer der tschechoslowakischen Translatologie] heraus. „Obwohl alle drei erwähnten Felder in mehr oder weniger großem Ausmaß in der Monografie behandelt werden, kann man die Kapitel auch anhand der Frage unterscheiden, auf welche Art der/die AutorIn auf das Werk von Jiří Levý verweist, und zwar in zwei Kategorien: In der einen wird direkt Levýs wissenschaftliche Tätigkeit thematisiert und sein Beitrag zur Entwicklung der Translatologie analysiert, in der zweiten dient jeweils ein ausgewähltes theoretisches Konzept (z. B. die ‚semantische Dichte‘ – oder die ‚Sprechbarkeit der Übersetzung‘) als Ausgangspunkt oder Rahmen für die Analyse eines ausgewählten Phänomens aus der Übersetzungspraxis, bzw. werden von Levý vorgeschlagene Herangehensweisen auf einen konkreten Text angewendet. Zur ersten Kategorie gehören meiner Ansicht nach vier von neun Kapiteln (das Kapitel Zur Einleitung, das, wie bereits erwähnt, allgemein einführend das Konzept des Buches vorstellt, nicht mitgezählt).“

Daria Šemberová schreibt über literarisches Sudetenland (14. 10. 2020)

Der Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums für diese Woche beschäftigt sich mit der dreisprachigen Anthologie mit dem Titel „Die schönen Überbleibsel nach dem Ende der Welt.“ Sudeten, literarisch. „Piękne resztki po końcu świata. Sudety literackie. „Krásné relikty po konci světa.“ Sudety literárně, die gemeinsam Jörg Bernig, Wojciech Browarny und Christian Prunitsch herausgaben. „Die umfangreichste Gruppe repräsentieren – was sich anhand der im Anhang beigefügten Kurzbiografien mühelos feststellen lässt – die SchriftstellerInnen, die in den 1950er, 1960er Jahren und Anfang der 1970er Jahre geboren wurden. Bestimmt man als gemeinsamen Bezugspunkt der literarischen Essays das Ende des Zweiten Weltkrieges sowie die darauffolgende Welle der Völkerwanderung in Mitteleuropa, zu der neben der Vertreibung der Deutschen, infolge deren schätzungsweise 14 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren hatten,unter anderem auch die Westverschiebung der polnischen Staatsgrenze, die Zwangsumsiedlung ethnischer Lemken sowie der Zuzug der slowakischen Romain die tschechischen Grenzgebiete gehören, können die AutorInnen wie Peter Becher (*1952), Jörg Bernig (*1964), Radek Fridrich (*1968), Olga Tokarczuk (*1962) und Jaromír Typlt (*1973) der zweiten Generation resp. Generation der Kinder zugeordnet werden.“

Steffen Höhne schreibt über die Korrespondenz zwischen A. Sauer und B. Seuffert (7. 10. 2020)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums analysiert Steffen Höhne die Korrespondenz zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert, die in diesem Jahr unter dem Titel Der Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert 1880 bis 1926 im Böhlau Verlag erschien, und an deren Herausgabe sich Mirko Nottscheid, Marcel Illetschko, Desiree Hebenstreit, Bernhard Fetz und Hans-Harald-Müller beteiligten. „Deutlich werden in dem Briefwechsel nicht nur zwei unterschiedliche Wissenschaftlerpersönlichkeiten, der extrovertierte Sauer, der eher introvertierte Seuffert, sondern auch die Entwicklung der akademischen Disziplin der Neueren deutschen Literaturwissenschaft. Deutlich werden darüber hinaus Aspekte der weiteren Wissenschafts- und Kulturpolitik, ein Feld, in dem sich beide positionieren (müssen).“

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