Aktuelles im IPSL

Jan Musil schreibt über Das gespenstische Böhmen (9. 11. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums präsentiert das Buch Strašidelné Čechy [Das gespenstische Böhmen], das einerseits aus dem Vorwort von Marek Vajchr besteht und andererseits aus einem zweiten Teil, dessen Autor der deutsche Dichter, Mönch, Feldkurat, Witzbold und Mystifikator Otto von Graben zum Stein ist. Das in diesem Jahr mit dem Otokar-Fischer-Preis gekröntes Buch erschien im Jahre 2021 im Prager Verlag Revolver Revue. „Durch die Mischung von Belletristik und Fachtext schafft Marek Vajchr Texte, die in der tschechischen Literaturszene einzigartig sind. Es geht nicht um die in der letzten Zeit so populäre ‚Belletrisierung‘ der letzten Tage des Weltkrieges u. Ä. – Vajchrs Texte fordern viel mehr Aufmerksamkeit. Die mit einem Kommentar und mit einem Fußnotenapparat ergänzte Astrale Komödie zeigt jedoch, dass so ein relativ schwieriges und scheinbar überlebtes Thema wie das der Genealogie der dämonologischen Studien, trotzdem spannend und sogar einem breiten Publikum präsentiert werden kann. Dies und die phantastischen Holzschnitte von Chrudoš Valoušek sowie der Stoffumschlag machen aus der Publikation ein wirklich schönes und unterhaltsames Büchlein, das die Leser nur so nebenbei bildet.“

Filip Charvát schreibt über den tschechischen Strukturalismus (27. 10. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums präsentiert das Buch Herta Schmids mit dem Titel Literatur als Kunst: Studien zum tschechischen Strukturalismus, das Birgit Krehl zur Herausgabe vorbereitete und das im Jahre 2019 im Berliner Peter Lang Verlag erschien. „Es heißt, Homer sei blind gewesen und habe viele Stunden damit verbracht, am Meer zu stehen, um der Brandung zu lauschen. Dann habe er die Illias geschrieben, mit ihrem endlosen Strom von Hexametern: Dieses Vorstellungsbild weckt in mir den Gedanken, dass an der ‚Tiefenwirkung der vielschichtigen Materialformen‘ doch etwas dran sein könnte.“

Daniela Lunger-Štěrbová schreibt über das Kloster in Sedlec (13. 10. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist der Dissertation Madleine Skarda-Riedenklaus mit dem Titel Pro Memoria Æterna – Entstehung eines böhmischen Erinnerungsortes: Das symbolische Bezugssystem in Jan Blažej Santini-Aichels „Renovatio“ der Klosterkirche in Sedlec aus dem Jahre 2020 gewidmet. „Die Autorin bietet uns (dank ihres Studiums der Geschichte als Hauptfach) v. a. einen tiefen Einblick in die Problematik des Patriotismus in der frühen Neuzeit. Die jesuitischen Texte und die Schriften der Ordenshistoriographen aus dem 17. Jahrhundert mit den neuentdeckten Predigten von Sedlec zum Anlass des 600-jährigen Jubiläums der Klostergründung (1743) vergleichend, registrierte sie nämlich eine bestimmte Verschiebung: ‚Der Ausbruch des österreichischen Erbfolgekriegs (1740–1748) ließ den hussitischen fidelis Bohemus erneut aufwachen, der sich im katholischen Wlastenec neu konsolidierte.‘ Diese und andere Bemerkungen der Autorin zum Thema der tschechischen Identität zu beurteilen, wird bestimmt eine spannende Herausforderung für die Historikerkollegen darstellen.“

Matouš Jaluška schreibt über Johannes von Schüttwa (28. 9. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist der zweisprachigen Publikation Jan ze Šitboře. Úředník, literát, mýtus / Johannes von Schüttwa. Beamter, Dichter, Mythos gewidmet, die Jiří Stočes zusammenstellte und die im Jahre 2021 der Verlag Nakladatelství Českého lesa (Oberpfälzer Wald Verlag) herausgab. „Interesse zieht Johannes von Schüttwa v. a. als Autor des Ackermanns aus Böhmen, eines deutsch geschriebenen ‚kleinen Buchs von europäischer Bedeutung‘ an, das Jakub Sichálek in der vierten Abteilung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Bei der Interpretation geht er v. a. von der regelmäßigen Struktur dieses Werks aus, das aus einer Reihe von Repliken zwischen dem intellektuellen ‚Ackermann, dessen Pflug aus Vogelgewand‘ sei, besteht und dem Tod, der ihn der geliebten Ehefrau beraubte. Der Text wird hier als eine Gerichtsverhandlung von zwei zu verteidigenden Positionen präsentiert: dem Naturrecht des Todes einerseits und dem Anspruch des Ackermanns auf Leben sowie die Menschenwürde andererseits, denn der Mensch wurde von Gott geschaffen und wird von Gott erlöst. In Sicháleks Deutung kann dieses Streitgespräch allein Gott überwinden, und deshalb geht die Rede des Ackermanns letzten Endes in ein Gebet über. Es ist ein wenig schade, dass der Autor sich im Zusammenhang mit diesem Gebet praktisch nur den Wortspielen widmet und dessen Pragmatik und mehr oder weniger auch die Funktion der Pointe ignoriert.“

Johannes Gleixner schreibt über die Maffie (7. 9. 2022)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums beschäftigen wir uns mit dem Phänomen Maffie, der Publikation mit dem Untertitel Český (domácí) protirakouský odboj v proměnách 20. století, die im Jahre 2020 Jan Hálek und Boris Mosković herausgaben. „Die Maffie war stets eine eher nebulöse Organisation, die um einige personelle Fixpunkte kreiste. Das gereichte ihr nicht zum Nachteil, da die oft lokalen Widerstandshandlungen sich als Teil einer übergreifenden Organisation in die Geschichte einschreiben konnten und damit sowohl die eigene Bedeutung als auch die der Maffie retrospektiv systematisierten und erhöhten.“

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