Aktuelles im IPSL

Martin Hořák schreibt über die Rudolfinische Kunst (11. 4. 2018)

In dem neuen Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums lässt uns Martin Hořák einen Blick in die Dissertationsarbeit von Evelyn Reitz Discordia concors: kulturelle Differenzerfahrung und ästhetische Einheitsbildung in der Prager Kunst um 1600 werfen, die den bedeutendsten Künstlern Prags unter Rudolf II. gewidmet ist. „Die Grundthese, mit der sie aufwartet – dem inneren Zusammenhang zwischen dem Exil niederländischer Künstler und den formalen und inhaltlichen Merkmalen Rudolfinischer Kunst –, wird in Fachkreisen sicher noch Stoff zur Diskussion geben. Auch Reitz selbst gibt zu, dass das Paradigma der „kulturellen Differenz“ nicht der einzige Schlüssel zur Interpretation Rudolfinischer Kunst sein muss. Ihr Versuch um eine ganzheitliche Erfassung dieses komplexen Phänomens verdient jedoch gewiss Aufmerksamkeit und seine Impulse werden noch durch die Tatsache gesteigert, dass er die zurzeit so aktuelle Frage der Migration berührt, ohne dass die Autorin hinsichtlich der Zeit der Entstehung ihrer Arbeit einer gezwungenen Aktualisierung verdächtigt werden soll.“

Luis Carlos Cuevas schreibt über Egon Erwin Kisch (30. 3. 2018)

Der letzte Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums stellt den Sammelband Im Einzelschicksal die Weltgeschichte: Egon Erwin Kisch und seine literarischen Reportagen vor, herausgegeben von Viera Glosíková, Sina Meißgeier und Ilse Nagelschmidt. „Das Werk des deutschsprachigen Prager Autors Egon Erwin Kisch (1885–1948) hat noch nicht den ihm gebührenden Platz in der Germanistik gefunden. Ein Grund dafür könnte die öffentlich vertretene kommunistische Ideologie des sogenannten ‚rasenden Reporters‘ sein. Sie verkomplizierte während des Kalten Krieges und auch darüber hinaus die Rezeption seiner Texte und prädisponierte den (potenziellen) Leser, Kischs literarische Reportagen als programmatisch zu etikettieren und diese so systematisch zu vernachlässigen. Da seine Texte in dieser Sicht ausschließlich zur Verbreitung einer politischen Gesinnung dienen sollten, wurden sie oft bloß gefeiert oder ignoriert, selten aber in ihren vielfältigen Dimensionen gelesen. Kischs belletristische Bestrebungen begannen jedoch nicht erst 1925 mit dem Eintritt in eine Partei, und das Politische ist keinesfalls die einzige interessante Dimension seines Werks.“

Radek Malý schreibt über Victor Hadwiger (15. 3. 2018)

In dem neuen Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums widmet sich Radek Malý der Publikation Victor Hadwiger: Básně / Gedichte, die das Werk des Prager deutschen Dichters Victor Hadwiger im Original und in tschechischer Übersetzung vorstellt. „Der Franz-Kafka-Verlag hat sich zweifelsohne um ein bemerkenswertes Projekt verdient gemacht, das zum weiteren Verorten der deutsch-tschechischen literarischen Beziehungen und zur besseren Kenntnis der Prager deutschen Literatur beiträgt. Die (für einen Übersetzer nicht sehr angenehme) Wahl der zweisprachigen Gedichtausgabe ist klar gerechtfertigt, so ist es möglich, Hadwigers Werk auch im Original kennen zu lernen. Eines bleibt naiv zu wünschen: dass dieses Buch nicht nur zur Kenntnis der Gedichte Victor Hadwigers auf tschechischer Seite beiträgt, sondern auch zur Kultivierung des Vermächtnisses von dem multikulturellen Umfeld, das Prag einst war.“

Ladislav Futtera schreibt über Stefan Simoneks Buch (28. 2. 2018)

Der letzte Februar-Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums stellt den achtzehnten Band der Edition Wechselwirkungen Stefan Simoneks Von Lenau zu „Laibach“. Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas vor. „Die sechzehn Studien aus den Jahren 2000–2013, die von ihrem Autor für die Buchausgabe überarbeitet wurden, befassen sich mit einer breiten Themenpalette, von der Rezeption Nikolaus Lenaus in den slawischen Literaturen bis hin zur Dekonstruktion von Nationalhymnen in den Texten der umstrittenen slowenischen Band Laibach. Im Mittelpunkt des Interesses steht jedoch die literarische Moderne der Jahrhundertwende im mitteleuropäischen Kontext, d. h. mehr oder weniger innerhalb der Grenzen Österreich-Ungarns (zu überdenken wäre hier die Eignung des historisch belasteten Terminus ‚Mitteleuropa‘ gegenüber dem Begriff ‚Zentraleuropa‘, wie er z. B. von Moritz Csáky verwendet wird), bzw. die Vermittlung zwischen der Wiener Moderne und den slawischen Literaturen Zentraleuropas.“

Ingeborg Fiala-Fürst schreibt über Franz Spunda (14. 2. 2018)

Im aktuellen Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums befasst sich Ingeborg Fiala-Fürst mit der Publikation Franz Spunda (1890–1963), die die Beiträge des eintägigen im November 2015 in Wien abgehaltenen Kolloquiums zu dem Olmützer Schriftsteller Franz Spunda und seinem Werk zusammenfasst. „Der 1890 in Olmütz geborene Schriftsteller Franz Spunda wäre wahrscheinlich von der literarischen Nachwelt, der Leserschaft als auch der Germanistik gründlich vergessen worden, wenn es 1971 nicht den umfangreichen Aufsatz Wodurch hat Franz Spunda die deutschsprachige Literatur bereichert? gegeben hätte, den Ludvík Václavek in den Germanistica Olomucensia veröffentlichte (übrigens als den letzten Aufsatz, den er unter seinem eigenen Namen in der Zeit der Normalisierung veröffentlichen durfte). Auf Ludvík Václavek ist auch die derzeitige, man möchte fast sagen, ‚Spundasche Renaissance‘ zurückzuführen, die nun eine weitere Bereicherung der Diskussion um das vielverzweigte Werk des ‚magischen Dichters und Griechenlandpilgers‘ erfuhr.“

Weiteres...