Aktuelles im IPSL

Der Gratias-Agit-Preis für Jürgen Serke (21. 6. 2017)

Der deutsche Schriftsteller und Publizist Jürgen Serke (geb. 1938) befasst sich in seinem gesamten Werk mit verfolgten und lange Zeit übergangenen Künstlern. Moderne tschechische Autoren (im Buch Die verbannten Dichter, 1982) wie auch deutschsprachige Schriftsteller aus den böhmischen Ländern (Böhmische Dörfer, 1987, tschechisch 2001) nehmen hierbei einen wichtigen Platz ein. Jürgen Serke wird am Freitag, dem 23. Juni 2017, mit dem Gratias-Agit-Preis zur Förderung des Ansehens der Tschechischen Republik im Ausland geehrt. Serkes Bücher und Artikel haben vielen Menschen den Weg zu wichtigen literarischen wie auch persönlichen Begegnungen und Entdeckungen eröffnet. Von einer solchen Begegnung erzählt der von Serke für das E*forum verfasste Text über den Schriftsteller und Ivan-Blatný-Übersetzer Frank-Wolf Matthies, den wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Verkündung des F. X. Šalda-Preises und des Otokar-Fischer-Preises (20. 6. 2017)

Die feierliche Verleihung des F. X. Šalda-Preises sowie des Otokar-Fischer-Preises 2016, ausgerichtet vom Stiftungsfonds der F. X. Šalda-Gesellschaft bzw. dem Institut für Literaturforschung IPSL, findet am Donnerstag, dem 29. Juni 2017, um 17h im Kampa-Museum, U Sovových mlýnů 2, Prag 1, statt (eine Einladung finden Sie hier; wir bitten um eine Teilnahmebestätigung an fischer@ipsl.cz). Am Vortag, dem 28. Juni 2017 um 18h, werden Kateřina Svatoňová (F. X. Šalda-Preis: Mezi-obrazy. Mediální praktiky kameramana Jaroslava Kučery [Zwischen-Bilder. Die medialen Praktiken des Kameramanns Jaroslav Kučera]) und Tilman Kasten (Otokar-Fischer-Preis: Historismuskritik versus Heilsgeschichte – Die Wallensteinromane von Alfred Döblin und Jaroslav Durych) ihre preisgekrönten Bücher im Goethe-Institut Prag vorstellen. Weitere Informationen über die Monografie Tilman Kastens finden Sie hier, das Programm des Abends hier

Der F. X. Šalda- und der Otokar-Fischer-Preis 2017 (7. 6. 2017)

Gemeinsam mit dem F. X. Šalda-Preis wird erstmals auch feierlich der Otokar-Fischer-Preis für deutsche BohemistInnen vergeben, der einen ähnlichen Wert auf „einen durchdringend tiefen Blick, auf Bewertungsgabe, die Fähigkeit ein Problem zu sehen und zu stellen, das Umschmelzen der Imagination, die Erhebung und Vergegenständlichung einer Stimmung“ legt (Otokar Fischer in Na rozhraní [Am Scheidepunkt], 1914). Im E*forum stellen wir heute die FinalistInnen beider Preise vor: Für den F. X. Šalda-Preis wurden Monografien von Ivan Klimeš, Lucie Merhautová und Kateřina Svatoňová vorgeschlagen, in der engeren Auswahl für den Otokar-Fischer-Preis sind Bücher von Urs Heftrich, Tilman Kasten und Evelyn Reitz.

Václav Smyčka über eine Arnošt Kraus-Auswahl (24. 5. 2017)

Im E*forum widmen wir uns heute einer unlängst erschienenen Edition mit Texten von Arnošt Kraus, dem ersten germanistischen Literaturwissenschaftler an der Prager tschechischen Universität; unter dem Titel Arnošt Vilém Kraus (1859–1943) a počátky české germanobohemistiky [Arnošt Vilém Kraus (1859–1943) und die Anfänge der tschechischen Germanobohemistik] wurde sie von Václav Petrbok für den Academia Verlag besorgt. Die umfangreiche Anthologie umfasst Kraus‘ frühe Texte zu Werken mittelalterlicher Dichter an den böhmischen Fürsten- und Königshöfen, spätere Artikel zur Literatur an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert sowie Kraus‘ literaturhistorische Synthesen, welche seine Studien zur deutschen Literatur auf dem Boden der Tschechoslowakischen Republik bis 1848 [Německá literatura na půdě Československé republiky do roku 1848] dominieren, welche in der Reihe Československá vlastivěda [Tschechoslowakische Heimatkunde] noch in der Ersten Republik erschienen (1933). Václav Smyčka entwirft anhand von Kraus‘ Texten eine Reihe von Fragen, zum Beispiel, „ob er für das heldenhafte Bemühen, die nationalen Konflikte und mit ihnen das tschechische wie auch das deutsche romantische Modell von Literaturgeschichte zu überwinden, nicht einen zu großen Preis bezahlte, indem er kein eigenes, konzeptuell wirklich innovatives Modell von der Koexistenz der tschechischen und deutschen Literatur in den böhmischen Ländern entwickelte. Wie hätte Kraus’ ahistorisch veranlagter und gegenüber der Literatur oberflächlich gebliebener Tschechoslowakismus die Basis für eine Literaturgeschichte bieten können, die auch für die Deutschböhmen attraktiv gewesen wäre und einem Fachpublikum die Entwicklung ästhetischer Werte in der Zeit aufgezeigt hätte?“

Arnošt Kraus über die Erforschung tschechischer Literatur (10. 5. 2017)

Im E*forum veröffentlichen wir heute Auszüge aus dem ausgedehnten wissenschaftlichen und kritischen Werk der Gründerfigur der tschechischen Germanobohemistik Arnošt Kraus (1859–1943). Sie belegen sein Interesse an einem gründlichen Studium der deutsch-tschechischen Literatur- und Kulturbeziehungen am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert. Schon seit den Anfängen der tschechischen Germanistik ist diese komparatistische Dimension praktisch bei allen Forscherinnen und Forschern omnipräsent und hängt zweifellos mit dem unmittelbaren Erleben und der kritischen Bewertung der deutsch-tschechischen „Konfliktgemeinschaft“ (Jan Křen) und Nachbarschaft zusammen. 1888 schrieb Kraus: „Solange die Geschichte unseres Geisteslebens bei der Erforschung tschechisch geschriebener Werke endet, wird es unmöglich sein, sich ein befriedigendes Bild über das Erwachen der tschechischen Literatur am Beginn unseres Jahrhunderts zu machen. Zur tschechischen Literatur gehört mit Sicherheit auch die vorangehende deutsche, besonders insoweit sie die provinzielle Richtung beschreitet, die ein Vorläufer der nationalen Richtung bei uns wie anderswo ist. Diese Literatur ist unsere Literatur; die spätere deutsche Literatur in Böhmen ist bloß eine von zwei Strömungen, in welche sich die frühere patriotische Literatur aufgeteilt hat. Zu dieser Zeit der Vorbereitung, für uns mindestens so wichtig wie die in lateinischer Sprache verfasste Literatur, ist nur allzu wenig gearbeitet worden, und es ist Aufgabe dieser Arbeit, die Aufmerksamkeit unserer Literaturgeschichtsschreiber auf diese Quellen unserer neuen nationalen Literatur zu lenken.“

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