Aktuelles im IPSL

J. L. Fischer schrieb über T. G. Masaryk die Glosse Der einsame Findling (13. 9. 2017)

In dem außerordentlichen Beitrag des neuen deutsch-tschechischen E*forum widmen sich Luboš Merhaut und Lucie Merhautová der Glosse Der einsame Findling, die J. L. Fischer über T. G. Masaryk schrieb, und die Teil des Buches Čtení o T. G. Masarykovi [Lektüre über T. G. Masaryk] mit dem Untertitel Literatura – člověk – svět (1910–1938) [Literatur – Mensch – Welt (1910–1938)] ist, welches das IPSL als zehnten Band der Edition Antologie gerade herausgegeben hat. „Zum achtzigsten Geburtstag Tomáš Garrigue Masaryks (7. 3. 1850 – 14. 9. 1937) veröffentlichte der Philosoph und Soziologe, Analytiker und Kultursynthetiker Josef Ludvík Fischer (1894–1973) die metaphorische Glosse Der einsame Findling (Čin 1, 1929/30, Nr. 19, 6. 3. 1930, S. 448–449), in der er betonte, dass Masaryks Einzigartigkeit eine Schwierigkeit für seine Nachfolger sei.“

Otokar Fischer und Pavel Eisner schrieben über die Zukunft der tschechischen Germanistik (30. 8. 2017)

In dem neuen deutsch-tschechischen E*forum bringt Štěpán Zbytovský zwei Antworten auf die Frage „Was soll mit der tschechischen Germanistik geschehen?“, der sich zwei bedeutende Persönlichkeiten der tschechischen Literatur und Übersetzungswissenschaft widmeten, und zwar Otokar Fischer („[Německá literatura] Dramaturgické problémy“ [(Deutsche Literatur) Dramaturgische Probleme], 1919) und Pavel Eisner (K nové české germanistice [Zur neuen tschechischen Germanistik], 1946). „Die Antworten beider Akteure auf die Frage „Was soll mit der tschechischen Germanistik geschehen?“ gehen schließlich über den üblichen Rahmen der deutsch-tschechischen Beziehungen hinaus und zeigen, dass Fischer und Eisner die Germanistik gerade in diesen Momenten u.a. auch als Mittlerin der Reflexion über die tschechische Kulturgeschichte und über die Rolle der tschechischen Wissenschaft weltweit verstanden haben. Dies scheint besonders bedeutsam angesichts der „Pflege“ eines negativen Bildes von Deutschland und der Geschichte der deutschen Kultur in den Böhmischen Ländern durch manche tschechische Politiker – sowie angesichts der tschechischen Germanistik, die in ihrer Tätigkeit Eisners Wunsch immer noch nur aspektweise erfüllen konnte.“

Lena Dorn schreibt über Übersetzungsprozesse in Kakanien (16. 8. 2017)

Diesmal widmet sich das E*forum der Arbeit Die vielsprachige Seele Kakaniens: Übersetzen und Dolmetschen in der Habsburgermonarchie 1848–1918 (Wien: Böhlau, 2012), in der Michaela Wolf versucht, durch die Analyse von Übersetzungsprozessen gesellschaftliche Machtverhältnisse in der Habsburger Monarchie im Laufe der letzten 70 Jahren ihrer Existenz sichtbar werden zu lassen. „Wolf interessiert sich […] für das Übersetzen ins Deutsche, aus prinzipiell allen anderen Sprachen. Das Konzept des Buches stellt Übersetzungen aus dem Italienischen ins Zentrum der Aufmerksamkeit, zugleich ist es aber ein Anspruch der Arbeit, Aspekte der Übersetzungskultur herauszuarbeiten, die den gesamten habsburgischen Raum betreffen und ihn dadurch auch charakterisieren können. Es geht also für Michaela Wolf immer wieder um die Frage: Wie hängen Übersetzungstätigkeiten und die Identifikation von Kulturen zusammen?“

Ingeborg Fiala-Fürst über Gertrude Urzidil (2. 8. 2017)

Der neue Beitrag zum deutsch-tschechischen E*forum stellt eine Biografie Gertrude Urzidils aus der Feder von Christiana Puschak und Jürgen Krämer vor – das Buch, das an die kleinen Bildmonografien aus dem Rowohlt-Verlag erinnert, erschien unter dem Titel „Ein Herzstück blieb in Prag zurück. In Amerika leb ich auf Reisen“ – Ein Lebensbild der Dichterin Gertrude Urzidil (1898–1977) zwischen Prag und New York (Wien: Praesens Verlag, 2016). „Dem eingangs formulierten Versprechen, ‚den Menschen in seinen Zeitverhältnissen dar[zu]stellen‘, tragen Puschak und Krämer Rechnung, indem sie sowohl die Kulisse des deutsch-jüdisch-tschechischen Prags, als auch des multinationalen New York skizzieren und darüber hinaus immer wieder kurze Medaillons der nächsten Weggefährten der Urzidils einschalten (Friedrich Thieberger, Friedrich Adler, Robert Weltsch, Hedda Sauer, Ernst Sommer, Ludwig Winder, Winifred Ellerman-Bryher, Mimi Grossberg, Hertha Pauli u. a. m.), so dass ein wertvoller und darüber hinaus amüsant zu lesender, kleiner Beitrag zur Geschichte der Prager deutschen und der österreichischen Exil-Literatur entstand.“

Kristýna Solomon über tschechische Übersetzungen des deutschen Prosaromans (19. 7. 2017)

Der heutige E*forums-Beitrag beschäftigt sich mit Jan K. Hons Monografie Übersetzung und Poetik. Der deutsche Prosaroman im Spiegel tschechischer Übersetzungen der Frühen Neuzeit (Heidelberg: Winter, 2016). Das Buch widmet sich der Poetik eines Genres, das im Deutschland des 15. und 16. Jahrhunderts florierte, und versucht sich ihr mithilfe der Analyse tschechischer Übersetzungen deutscher Vorlagen anzunehmen – die Monografie positioniert sich also an der Grenze zwischen tschechischer und deutscher Mediävistik. „Vor dem Hintergrund moderner narratologischer Theorien (Bachtin, Lugowski, Stierle) fragt der Autor nach der Rolle der Übersetzungen der deutschen Romane im Verhältnis zur Poetik der Zielform, der Gattung Prosaroman. Zu den Merkmalen des modernen Romans gehört die Emanzipation des Erzählers (und die damit verbundene Unterscheidung zwischen der auktorialen Stimme und der Erzählerstimme), eine klare Trennung zwischen der Ebene des Textes (deixis) von der der Paratexte sowie eine offene Semantik, welche die Lesenden zu einer eigenständigen Interpretation des Textes auffordert. Der Vergleich zwischen den Vorlagen und den Übersetzungen bringt Hon zu einer interessanten Feststellung: Am wenigsten hätten die Übersetzer in Texte eingegriffen, die im höchsten Maße die erwähnten Merkmale aufwiesen und sich somit auf dem Weg zum modernen Roman am progressivsten bewegten. [...] Und eben im innovativen Zugang zur Poetik der Übersetzung liegt der größte Beitrag dieser Studie: Die Übersetzungen als tendenzielle Randphänomene haben eine wichtige Aussagekraft in Bezug auf das Verständnis des Kerns, also der Ausgangstexte und ihrer Poetik. Sie haben das Potenzial, die Gattung zu (de)stabilisieren, die Norm zu verankern (oder entankern) oder eben die Gattung mehr in Richtung der Zielform zu bewegen (oder sie daran zu hindern).“

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