Aktuelles im IPSL

Sara Hauser schreibt über die feuilletonistische Konferenz vom September 2018 (12. 6. 2019)

Das deutsch-tschechische E*forum bringt diesmal einen Bericht über die Konferenz Prag im / Feuilleton / in Prag, die Irina Wutsdorff und Ulrike Mascher gemeinsam mit Manfred Weinberg und Štěpán Zbytovský im September 2018 organisierten. „Das Nebeneinander und der Dialog verschiedener feuilletonistischer Zugänge zum urbanen Prager Raum verdeutlichten vor allem Eines: Wie facettenreich Feuilletons komprimiert moderne Geistesgeschichte lesbar machen. Um das Forschen in diesen Zeitschleusen auszudifferenzieren, gilt es zukünftig, Digitalisierungsdesiderate zu beheben und den – auf dieser Konferenz geglückten – bohemistisch-germanistischen Austausch über die noch junge Feuilletonforschung weiter zu befördern.“

Záviš Šuman schreibt einen Luftschlosszerstörer (29. 5. 2019)

Im Rahmen des deutsch-tschechischen E*forum wird in dieser Woche der Beitrag von Záviš Šuman zu der 2017 im Verlag der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität herausgegebenen Publikation Josef Čermáks „I do daleka vede cesta… Vybrané studie z literární komparatistiky a moderní německé literatury.“ [Auch in jene Weite führt der Weg… Ausgewählte Studien zur Komparatistik und modernen deutschen Literatur.] vorgelegt. „Čermáks Methode findet – mal mehr, mal weniger – in all seinen Texten unterschiedlichster Genres Anwendung. Seien es Porträts von Freunden oder Bekannten Franz Kafkas oder von bedeutenden (jedoch bei Weitem nicht nur den bedeutendsten) Persönlichkeiten der tschechischen Vorkriegsgermanistik (einschließlich Charakterisierungen des kulturellen Milieus der Prager jüdischen Community), übersetzungswissenschaftliche Arbeiten oder Erinnerungen und Zeugnisse – Čermák stützt sich stets auf eine verlässliche (und daher überprüfbare) Faktografie, welcher oft intensive Archivrecherchen zugrundeliegen. Diese Materialbasis befähigt ihn, in polemischem Geiste unermüdlich verfälschende und von der Sekundärliteratur unablässig wiederholte Urteile, z. B. über Kafkas Tschechischkenntnisse, seine Beziehung zum radikalen Anarchismus, seine politischen Einstellungen oder seine Kenntnis der tschechischen Literatur, zu entkräften. Diese Erkenntnisse, potenziert durch eine außergewöhnliche Kenntnis der einheimischen wie auch der internationalen Kafka-Forschung, dienen ihm jedoch größtenteils nicht als Sprungbrett zu weiteren Spekulationen, sondern zielen eher darauf ab, in nüchterner Manier die Luftschlösser nicht belegter oder nicht belegbarer Hypothesen zu demontieren, auf die sich einige ideologisierende oder regelrecht sensationsheischende Auslegungen von Kafkas Werk stützen.“

Conference: Found in translation? - Ästhetische und soziokulturelle Funktionen literarischer Übersetzungen in Europa zwischen 1890 und 1939 (28. 5. 2019)

Institut für Literaturforschung lädt herzlich zu der internationalen Konferenz Found in translation? ein, die das Institut für Literaturforschung gemeinsam mit dem Masaryk Institut und Archiv der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik an diesem Donnerstag und Freitag 30.-31. Mai im Österreichischen Kulturforum in Prag veranstalten.  Die Konferenz  konzentriert sich auf die ästhetischen und soziokulturellen Funktionen literarischer Übersetzungen in Europa zwischen 1890 und 1939. Kultur- und LiteraturwissenschaftlerInnen, HistorikerInnen und TranslatologInnen werden an diesen beiden Tagen verschiedene Zugänge zu literarischen Übersetzungsprozessen in Vergangenheit und Gegenwart diskutieren sowie sich mit Fragen nach den Vernetzungs- und Transferleistungen von ÜbersetzerInnen, aber auch nach dem Scheitern von literarischen Übersetzungsprojekten im jeweiligen gesellschaftspolitischen Kontext beschäftigen. Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch.

Veronika Jičínská und Claus Zittel schreiben über Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder (16. 5. 2019)

Diesmal bieten wir im Rahmen des deutsch-tschechischen E*forum zwei Beiträge, die sich beide auf die 2017 herausgegebene kollektive Publikation Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder beziehen.

„Das Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder ist das erste Nachschlagewerk dieser Art über die deutsche Literatur in den Böhmischen Ländern vom 18. bis zum 2o. Jahrhundert. Es ist in der angesehenen Handbuch-Reihe des deutschen J. B. Metzler-Verlags erschienen. Laut den Herausgebern ist das Buch für ein Fachpublikum wie auch für eine breitere, über die deutschsprachigen Länder hinaus literaturgeschichtlich interessierte Öffentlichkeit bestimmt.“ (aus dem Text von Veronika Jičínská)

„Literatur von Rang entsteht immer in einem vielstimmigen Universum von Texten. Eine Literaturgeschichtsschreibung, die sich auf die vermeintlich eigene nationale Tradition konzentriert, etwa eine Geschichte der Schweizer oder Österreichischen Literatur postulierend, verkennt, dass das Eigene immer ein Hybrid aus vielen Welten ist und das literarische Verweissystem nie an Landesgrenzen endet. Länderspezifische Literaturgeschichten selektieren, isolieren und verzerren ihre Gegenstände. Jede seriöse Literaturwissenschaft ist vergleichende Literaturwissenschaft. Nimmt man das neue fabelhafte Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder zur Hand, stellt man indes erfreut fest, dass hier nicht einfach eine weitere, den Blick verengende Perspektive zu den kanonischen Sichtweisen hinzutritt, schon gar nicht Heimatkunde und Denkmalpflege betrieben, sondern dass die üblichen historiographischen Modelle herausgefordert und ihre dominanten Standpunkte relativiert werden.“ (aus dem Text von Claus Zittel)

Václav Petrbok schreibt über Kurt Krolop (1. 5. 2019)

Diese Woche zum zweiten Mal erscheint im Rahmen des E*forum ein Beitrag zur Persönlichkeit Kurt Krolops. In der folgenden Buchbesprechung widmet sich Václav Petrbok der postum herausgegebenen Publikation mit dem Titel Studie o německé literatuře. „Der Gegenstand der folgenden Anmerkungen ist nicht Krolops fachliches Vermächtnis als solches, wie es im Band präsentiert wird, sondern der Teil, der sich auf das ganzheitliche, gebietsbezogene Studium der Literatur und Kultur der böhmischen Länder bezieht. Wiewohl sein Fachinteresse auch ‚rein‘ germanistischen Themen galt (der Herausgeber weist auf die unsignierten Kapitel zur deutschen und österreichischen Literatur des 19. Jahrhunderts hin, die im 6. bis 8. Band der synthetischen Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart des Ostberliner Verlags Volk und Wissen erschienen), bildeten die beiden Sprachkulturen (also die der tschechischen sowie der deutschen Sprache) natürlich und spontan eine Art Horizont für die Überlegungen des Autors.“

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