Aktuelles im IPSL

Emil Saudek schrieb über Poesie (18. 1. 2023)

Im neuen Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums bringen wir die Nachricht über zwei neu erschienene Publikationen mit Texten des Literaturvermittlers Emil Saudek und einen Auszug mit seinem Kommentar und seiner Übersetzung ausgewählter Gedichte. „Zwei Dichter der modernsten deutschen Literatur sind von uns gegangen, leider – und beide sind dem unerbittlichen Mars zum Opfer gefallen. Ihr Schicksal ist so ergreifend, dass wir alle, welcher Nationalität auch immer, die wir uns zu der einen, gemeinsamen Familie der nunmehr verwaisten allgemein menschlichen Kultur zählen, ihre Gräber nicht übergehen dürfen. Ernst Stadler, geboren am 11. August 1883 in Colmar, fiel im November 1914 auf den Schlachtfeldern im Westen. Georg Trakl, geboren am 3. Februar 1887 in Salzburg, starb am 3. November 1914 in Krakau. Ernst Stadler, sagt sein deutscher Kritiker, überwältigte seine Zeitgenossen durch die Pracht und die Meisterschaft seines Wortes und noch mehr durch die Kraft seiner moralischen Leidenschaft und die Freiheit seines Geistes.“

Miroslav Zumrík schreibt über Arnošt Vilém Kraus (29. 12. 2022)

Der diesjährige letzte E*forum-Beitrag ist ein Text von Miroslav Zumrík über den Sammelband Arnošt Vilém Kraus (1850–1943). Wissenschaftler und Kulturpolitiker: „[...] Im Falle von A. V. Kraus verlief der Kulturtransfer an der Achse Böhmen, Deutschland und Skandinavien (v. a. Dänemark). In seiner Tätigkeit als Wissenschaftler, Pädagoge und Vermittler konzentrierte er sich auf historische, soziale und kulturelle Einflüsse, Impulse und Querschnitte. Dänemark diente Kraus des Öfteren – wie man im Vorwort der Publikation lesen kann – als ein gewisses tertium comparationis, der philosophisch unvermeidbare dritte Referenzpunkt, der es dem Beobachter ermöglicht, in der Beziehung zweier Entitäten auf potenziell übersehene Momente aufmerksam zu werden, neue Bezugspunkte dazu zu entdecken, über diese Beziehung neu nachzudenken, und die zukünftige Gestaltung dieser Beziehung zu beeinflussen. Diese zwei verglichenen Entitäten sind bei Kraus die geschichtlich und politisch miteinander verwachsene tschechische und deutsche Kultur. Nicht nur im Untersuchungszeitraum wies diese historische und kulturelle Koexistenz Anzeichen von Spannung, Machtasymmetrie, von Konflikten und Zerspaltung auf, trotz – oder gerade infolge – der territorialen Nähe. [...]“.

Lenka Vodrážková schreibt über Luthers Deutsch (8. 12. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist der Publikation Luthers Deutsch in Mittel- und Osteuropa gewidmet, die Christine Ganslmayer, Helmut Glück und Hans-Joachim Solms im Jahre 2021 im Harrassowitz Verlag herausgaben. „Dieses Mosaik und eine hinreichend repräsentative Vertretung von Sprachen Mittel- und Osteuropas illustrieren einen anderen Blick auf Luthers Sprache und deren Bedeutung im europäischen Kontext. Zugleich wird eine leere Stelle im Wissen um die Reichweite des Einflusses von Luthers Deutsch auf die Sprache und Schriftkultur von Ländern gefüllt, die der Region Mittel- und Osteuropas angehören, in der infolge der historischen Entwicklung oder in einigen Fällen auch infolge der geographischen Gegebenheiten (direkte Nachbarschaft mit dem deutschen Sprachraum) das Deutsch auch angesichts von dessen Bedeutung im europäischen Kontext im direkten Kontakt mit den Sprachen überwiegend slawischer Herkunft stand.“

Václav Maidl schreibt über ´s Hohnakreiz (30. 11. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist der Webseite mit dem Titel Kohoutí kříž /´s Hohnakreiz gewidmet, die der Dichter und Übersetzer Jan Mareš erstellte und betreibt. „Die Vorstellung, dass Böhmerwald angesichts der großen Anzahl von erfassten Autoren ein Dichterarkadien hat sein müssen, in dem jedes Dorf und jede kleine Ortschaft seinen/ihren Sänger vorzuweisen hatte, lässt uns über die Auswahlkriterien nachdenken. Sie wurden nicht definiert, man kann auf sie aus dem Charakter der Texte sowie aus flüchtigen Anmerkungen ‚zwischen den Zeilen‘ nur indirekt schließen, im Grunde gibt es jedoch zwei Kriterien. Erstens ist es das Sprachkriterium, d. h. es geht immer um einen deutsch schreibenden Autor. Das zweite Kriterium ist dann die in den Texten formulierte Beziehung zu der Böhmerwald-Region.“

Jan Musil schreibt über Das gespenstische Böhmen (9. 11. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums präsentiert das Buch Strašidelné Čechy [Das gespenstische Böhmen], das einerseits aus dem Vorwort von Marek Vajchr besteht und andererseits aus einem zweiten Teil, dessen Autor der deutsche Dichter, Mönch, Feldkurat, Witzbold und Mystifikator Otto von Graben zum Stein ist. Das in diesem Jahr mit dem Otokar-Fischer-Preis gekröntes Buch erschien im Jahre 2021 im Prager Verlag Revolver Revue. „Durch die Mischung von Belletristik und Fachtext schafft Marek Vajchr Texte, die in der tschechischen Literaturszene einzigartig sind. Es geht nicht um die in der letzten Zeit so populäre ‚Belletrisierung‘ der letzten Tage des Weltkrieges u. Ä. – Vajchrs Texte fordern viel mehr Aufmerksamkeit. Die mit einem Kommentar und mit einem Fußnotenapparat ergänzte Astrale Komödie zeigt jedoch, dass so ein relativ schwieriges und scheinbar überlebtes Thema wie das der Genealogie der dämonologischen Studien, trotzdem spannend und sogar einem breiten Publikum präsentiert werden kann. Dies und die phantastischen Holzschnitte von Chrudoš Valoušek sowie der Stoffumschlag machen aus der Publikation ein wirklich schönes und unterhaltsames Büchlein, das die Leser nur so nebenbei bildet.“

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