Aktuelles im IPSL

Kamil Činátl schreibt über Geschichtsbildung (4. 5. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist der Publikation mit dem Titel Deutsche, Tschechen und Slowaken im 20. Jahrhundert gewidmet, die das Historiker*innenkollektiv unter der Führung von Martin Schulze Wessel, Miloš Řezník und Dušan Kováč herausgab. Das Buch erschien im Jahre 2020 im Wochenschauverlag in Frankfurt am Main. „Es handelt sich um eine relativ umfangreiche Anthologie von überwiegend Textquellen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, die in sechs chronologische Abteilungen gegliedert ist. Jedes Kapitel besteht aus einem historiographischen Deutungstext, einer kurzen Zusammenfassung didaktischer Vorgehensweisen und aus Quellen, die von einem knappen informativen Text eingeleitet werden.“

Štěpán Zbytovský schreibt über die Prager deutsche Literatur (21. 4. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums stellt die Dissertation von Adéla Grimes mit dem Titel Neusachliche Verhaltenslehren in der Prager deutschen Literatur vor, die im Verlag der Palacký-Universität in Olomouc im Jahre 2020 erschien. „Wenn das Buch die These vertritt, dass die Neue Sachlichkeit aus dem Gesamtbild der deutschen Literatur in Böhmen oder der „Prager deutschen Literatur“ verdrängt worden sei, dann wäre es angebracht im Fazit zu diskutieren, auf welche Weise sich dieses Gesamtbild nach der Einbeziehung der neusachlichen Werke nun verändern würde. Das Fazit beschränkt sich jedoch auf eine (übrigens übersichtliche und hilfreiche) Zusammenfassung der Interpretationen der einzelnen Romane und die Empfehlung weiterer, die sich in die Neue Sachlichkeit der böhmischen Länder eingliedern ließen. Die einzelnen Studien zu Roedl, Natonek und Kornfeld verdienen jedoch Aufmerksamkeit, ebenso wie die behandelten Romane selbst, und beweisen u. a. die enge (wenn auch teils kritisch ausgerichtete) Bindung des Werks dieser Autoren an den literarischen Diskurs in Deutschland.“

Mirek Němec schreibt über die Olmützer Deutschen (13. 4. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums stellt das Buch von Martin Hájek mit dem Titel Olomoučtí Němci 1918–1938 vor, das im Verlag der Palacký-Universität in Olomouc im Jahre 2020 erschien. „Auf ungefähr 180 Seiten des eigenen Textes versucht der Autor, sich mit politischen, sozialen und kulturellen Aspekten des Lebens der deutschsprachigen Kommunität in der nordmährischen Metropole an der March von dem Zeitpunkt der Übernahme des Rathauses durch tschechische Vertreter (1918/19) bis zum Münchner Abkommen (Oktober 1938) auseinanderzusetzen. Es ist fraglich, ob der zweite zeitliche Eckpunkt geeignet ist. Olmütz wurde nicht zum Teil des neugegründeten Reichsgaus Sudetenland, es wurde zu einer Stadt im Grenzgebiet. Für die bereits anwesenden sowie neu ankommenden Juden, Deutsche sowie Tschechen brach somit eine gespannte Zeit an, in der Loyalitäten auf den Prüfstand gestellt und Identitäten umdefiniert wurden. Dies wären also die zentralen Perspektiven für die Erforschung der kollektiven Biografie einer Minderheit im urbanen Umfeld.“

Barbora Šrámková schreibt über Max Brods Roman (30. 3. 2022)

Der neueste Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums stellt das Sammelband zu Max Brods Roman Tycho Brahes Weg zu Gott vor, das unter dem Titel Zwischen Wissenschaft und Religion – „Tycho Brahes Weg zu Gott“ von Max Brod erschien und das Viera Glosíková, Sina Meißgeier und Ilse Nagelschmidt im Verlag Frank & Timme im Jahre 2019 herausgaben. „Es ergibt sich aus der Sache selbst, dass in einem aus studentischen Arbeiten bestehenden Band nicht alle Themen umfassend behandelt werden können, und an manchen der formulierten Thesen könnte man berechtigte Kritik üben. Aus der Perspektive der „Benutzerfreundlichkeit“ wäre es manchen Lesenden vielleicht entgegengekommen, wenn die Beiträge am Ende auch eine Liste der verwendeten Literatur angehängt bekommen hätten, denn das Heraussuchen der Verweise aus den Fußnoten ist nicht gerade bequem. Doch trotz dieser kleineren Einschränkungen ist dieses Buch eine wertvolle und nützliche Publikation, die für die Leserinnen und Leser des Brod’schen Romans über die beiden berühmten Astronomen ein hilfreiches und willkommenes Kompendium bieten kann. Nicht zuletzt zeichnet sich der Band vielerorts durch die Originalität der Beiträge aus, und er ist ein überzeugendes Argument dafür, dass sich dieser Roman Brods auch noch mehr als 100 Jahre nach seiner Ersterscheinung zu lesen lohnt, wobei die tschechische Leserschaft derzeit noch auf eine Neuausgabe warten muss.“

Oliver Bentz schreibt über Anton Kuh (16. 3. 2022)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums beschäftigt sich Oliver Bentz mit dem Buch von Franziska Geiser mit dem Titel Das Zeitalter des Infantilismus. Zu Anton Kuhs Kultur- und Gesellschaftskritik, das im Jahre 2020 der Wallenstein Verlag herausgab. „Die Autorin zeigt auf fast 400 Seiten, dass die Interpretation von Kuhs über Jahrzehnte entstandenen Essays, Feuilletons, Glossen oder Aphorismen vor dem Hintergrund der angenommenen Unterscheidung von ‚Infantilität‘ und ‚Erwachsenheit‘ durchaus funktioniert und ihren Reiz hat, wobei sie nicht übersieht, dass ‚sein Gesellschaftsentwurf vereinfachend und teilweise klischiert [ist], die Typenbildungen sind holzschnittartig und nicht frei von Widersprüchen. […] Und doch, die Physiognomie seiner Zeit, die Kuh in seinem Werk entwerfen will, ist alles in allem gut getroffen. Seine politischen Analysen sind scharf und oft treffend.‘(S. 368) So kann Franziska Geisers material- und kenntnisreiche Darstellung dem Leser nach der Lektüre von Anton Kuhs Texten interessante Einsichten bringen.“

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