Aktuelles im IPSL

Tereza Czesany Dvořáková schreibt über Peter Demetz’ Buch Diktatoren im Kino (13. 1. 2021)

Der erste diesjährige Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums ist eine Buchbesprechung von Tereza Czesany Dvořáková zum Buch von Peter Demetz mit dem Titel Diktatoren im Kino. Lenin – Mussolini – Hitler – Goebbels – Stalin, das vor zwei Jahren im Wiener Paul Zsolnay Verlag erschien. „Überraschenderweise enthält Demetz’ Buch kein Fazit, die Schlussfolgerung überlässt der Autor seinen LeserInnen selbst. Das wahrscheinlich Wertvollste für tschechische LeserInnen und ausländische SlawistInnen befindet sich meines Erachtens allerdings – ebenfalls unerwartet – auf den ersten sieben Seiten des Buchs. Es handelt sich um die Kindheitserinnerungen des Autors an seine Erlebnisse in den Brünner Kinos Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre. Demetz’ Erinnerungssplitter vermitteln einen Eindruck von der Atmosphäre der Filmvorführungen, vom kulturellen Leben in der mährischen Metropole und von der Entstehung seiner tiefen Liebe zum neuen Medium Film, die ihn auch im Verlauf der verschiedenen Wirrungen seines Lebens, der politischen Verfolgung und der folgenden Jahrzehnte des produktiven akademischen Lebens, nie verlassen hat.“

Petra Liebl schreibt über das letzte Buch Martin Beckers (30. 12. 2020)

Den diesjährigen Jahrgang beendet das deutsch-tschechische E*forum mit dem Beitrag Petra Liebls zur Anthologie Martin Beckers, die in Zusammenarbeit mit Martina Lisa entstand, Die letzte Metro. Die Anthologie stellt die „junge Literatur aus Tschechien“ vor. „Die tschechische Literatur ist in Deutschland eher weniger bekannt, was schlicht an der niedrigen Zahl an übersetzten Titeln liegt – trotz des sprunghaften Anstiegs im Zusammenhang mit der Leipziger Buchmesse 2019, deren Gastland die Tschechische Republik war: von durchschnittlichen 5,5 Büchern noch im Jahr 2017 auf 25 im Jahr 2019. Generell nimmt die Übersetzungsliteratur auf dem übersättigten deutschen Büchermarkt in den letzten Jahren lediglich ca. 12 Prozent der Gesamtveröffentlichungen dar: Laut den Angaben des Deutschen Börsenvereins dominiert dabei die englische Sprache eindeutig. Die Vermarktung unbekannter Autoren aus kleineren Staaten stellt für deutsche Verlage ein ökonomisches Risiko dar.“

Sabine Eickenrodt schreibt über die kritische Ausgabe vom Werk Robert Walsers (16. 12. 2020)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums widmen wir uns 3 Bänden der Kritischen Ausgabe vom Werk Robert Walsers, die im Jahre 2018 erschienen. „Jedenfalls hat der in Bern ansässige Dichter, Feuilletonist und Romancier, der 1929 für den Rest seines Lebens in der Psychiatrie verschwand, weder Prag noch Bratislava gesehen. Bis heute gilt manchen seine Mitarbeit für Prager Zeitungen als Verlegenheitslösung eines Schriftstellers, der in den Blättern der Schweiz und des Deutschen Reichs nur noch mit Mühe publizieren konnte.“

Es schrieb Otokar Fischer (2. 12. 2020)

Im neuesten Beitrag des deutsch-tschechischen E*forums schenken wir im Rahmen der Rubrik ES SCHRIEBEN Aufmerksamkeit einem vergessenen Text von Otokar Fischer, der 1929 in Prager Presse abgedruckt wurde. „In gewisser Beziehung sind ja sowohl die deutschen Slavisten als die slavischen Germanisten den Vertretern der Vermittlungs- oder Grenzwissenschaften zuzuzählen, und so verschiedenartig die hier und dort aufzusteckenden Forschungsziele sein mögen, so ist doch, gefühlsmäßig, eine Analogie hervorzuheben; die besteht darin, daß Muttersprache und Milieu des Forschers gegen das Objekt seiner Untersuchungen scharf abgegrenzt erscheinen, daß er also einen gewissermaßen fremden Gegenstand zu behandeln sich berufen fühlt.“

Man schrieb über das Ständetheater (18. 11. 2020)

Anlässlich des 100. Jubiläums der Beschlagnahme des Ständetheaters durch den Solistenklub des Nationaltheaters [Klub sólistů Národního divadla] bringen wir im Rahmen des deutsch-tschechischen E*forums einen thematischen Text aus dem Neuen Wiener Journal vom 17. 11. 2020. „Jetzt sind sie nicht mehr die unterdrückten, sondern die siegreichen Tschechen, die gegen die Deutschen losgehen, und sie ihre Übermacht spüren lassen. Prag war gestern der Schauplatz von Szenen, die die leitenden Persönlichkeiten der tschecho-slowakischen Republik vielleicht noch mehr bedauern mögen als die betroffenen Deutschen selbst. Als man vernahm, daß an die Spitze des tschecho-slowakischen Staates ein Mann wie Masaryk gestellt wurde, hätte man dergleichen für nicht möglich gehalten. Der Aufstand wandte sich vornehmlich gegen Stätten deutscher Geistigkeit, gegen das Theater, die zwei großen Zeitungen in Prag, auch gegen das politische Zentrum der Prager Deutschen, das Kasino. Es war Pöbel, der gleichzeitig den Ausbruch seiner nationalen Gefühle dazu benutzte, um zu zerstören und zu plündern.“

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