Aktuelles im IPSL

Václav Petrbok schreibt über Sidonie Nádherný (15. 8. 2018)

Das deutsch-tschechische E*forum bringt eine Besprechung von dem Buch Gartenschönheit oder Die Zerstörung von Mitteleuropa: Sidonie Nádherny – Briefe an Václav Wagner (1942–1949), in dem Friedrich Pfäfflin und Alena Wagnerová die bisher unveröffentlichte Texte zur Persönlichkeit von Sidonie Nádherný zusammenstellten. „Im Vergleich mit den bereits erschienenen Editionen der Korrespondenz von Sidonie Nádherná (so die tschechische Schreibweise) mit bekannteren Adressaten, die immer wieder geistreiche Auseinandersetzungen über den Sinn der Kunst und Literatur aufweisen oder aber äußerst persönliche Bekenntnisse beinhalten, ist die vorliegende Edition vielleicht etwas weniger intellektuell geprägt, dafür aber wirkt sie nackter und authentischer. Allein der Datierung des Briefwechsels lässt sich schon viel entnehmen: Es geht um die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Sidonie Nádherná – nach vergeblichen Versuchen, ihren Umzug zu verhindern oder wenigstens zu verzögern (das Janowitzer Gebiet wurde dem SS-Truppenübungsplatz Böhmen zugeordnet) – doch ins nahegelegene Voračice, umziehen musste, in dem sie auch das Kriegsende erlebte.“

Peter Demetz schrieb über die sudetendeutsche Literatur (8. 8. 2018)

Im heutigen Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum stellt Václav Maidl den Artikel Zum Begriff der Sudetendeutschen Literatur von Peter Demetz vor, der der Publikation Hluboká stopa. Nezávislá revue Skutečnost 1949–1953 (Tiefe Spur. Unabhängige Revue Skutečnost [Wirklichkeit] 1939–1953) aus dem Jahre 2008 entstammt. „Es ist offensichtlich, dass der Begriff „Sudeten“ dreifache Gültigkeit besitzt: geographische, ideologische und administrativ-politische. Freilich lässt sich die eine durch die andere nicht ersetzen. Die geographische Bedeutung war bereits vor 1918 in den deutschen Lehrbüchern geläufig und meint eine Gebirgskette von der Elbe bis nach Schlesien, also keinesfalls das Erzgebirge, den Böhmerwald oder andere Regionen. Die geographische Gültigkeit ist Basis für die ideologische Bedeutung, die böhmische, mährische und schlesische Deutsche überhaupt bezeichnet, sofern die Separierung von der Tschechoslowakischen Republik ihr politisches Programm ist.“

Martina Niedhammer schreibt über die unsichtbare Loyalität (1. 8. 2018)

Der aktuelle Beitrag des deutsch-tschechischen E*forum bringt die Besprechung von Martina Niedhammer über den Sammelband Neviditelná loajalita? Rakušané, Němci, Češi v české kultuře 19. století [Unsichtbare Loyalität. Österreicher, Deutsche, Tschechen in der böhmischen Kultur des 19. Jahrhunderts], den die drei Autoren Václav Petrbok , Taťána Petrasová a Pavla Machalíková im Jahre 2016 herausgegeben haben. „Die Bandbreite, die der Loyalitätsbegriff dabei aufweist, ist groß und in jedem Falle geeignet, seine semantische Vielschichtigkeit und das damit eng verknüpfte Assoziationspotenzial offenzulegen. Vier thematisch ausgerichtete Kapitel strukturieren diese Fülle, indem sie jeweils das Verhältnis von Grenze, von Staat und Untertan, von visueller Kultur sowie von Sprache zu Loyalität in den Blick nehmen. Eine abschließende Sektion widmet sich Fragen des gruppenbezogenen respektive des individuellen Zugangs zu Loyalität.“

Radka Šustrová schreibt über Wenzel Jaksch (4. 7. 2018)

Im deutsch-tschechischen E*forum stellt Radka Šustrová die Texte des sudetendeutschen sozialdemokratischen Politikers in der Tschechoslowakei Wenzel Jaksch vor, die im Buch Verlorene Dörfer, verlassene Menschen… Reportagen aus dem tschechischen Grenzland 1924–1928 (tsch.: Ztracené vesnice, opuštění lidé… Reportáže z českého pohraničí 1924–1928, Praha: Academia, 2017) gesammelt sind. „Im tschechischen historischen Bewusstsein wird Wenzel Jaksch am häufigsten mit den wachsenden Spannungen zwischen dem deutschen und dem tschechischen antifaschistischen Widerstand in Verbindung gebracht. Als der führende Kopf der sudetendeutschen Opposition im Exil gegen den (Exil)Staatspräsidenten Edvard Beneš kam er wohl zurecht zu diesem Ruf. Beneš’ Theorie von einer rechtlichen Kontinuität, die es ihm ermöglichte, die Wiederherstellung der Tschechoslowakei in den Grenzen vor dem Münchner Abkommen anzustreben, verstand Jaksch jedoch gleichzeitig auch als eine Fortsetzung der ungeklärten innenpolitischen Konflikte in der Republik, vor allem in der Nationalitätenfrage. Jaksch führte somit einen Kampf an zwei Fronten: um ein anderes, besseres Bild der Sudetendeutschen und um die Zukunft der Deutschen in der befreiten Tschechoslowakei. Die wachsenden Animositäten gegen die deutsche Minderheit – als Folge des Separatismus der Nationalsozialisten und der darauf folgenden Besatzung Europas – gepaart mit Beneš’ Widerwillen, dieser nationalen Minderheit ihr Recht auf Selbstbestimmung zu gewähren (und dadurch eine nationalitätenorientierte und nicht nur nationalistische Ausrichtung der Tschechoslowakei zu verfolgen), versetzte den sudetendeutschen Politiker in eine schwierige Lage und nahm seine politische Trennung von Beneš vorweg.“

Ingeborg Fiala-Fürst schreibt über Marie von Ebner-Eschenbach (20. 6. 2018)

Im deutsch-tschechischen E*forum findet der Leser diesmal den Text von Ingeborg Fiala-Fürst über das biographische Werk Daniela Strigls aus dem Jahr 2016, das der großen österreichischen Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts gewidmet ist. „Das schöne gebundene Buch, das im Residenz-Verlag bereits 2016 publiziert wurde, erfuhr inzwischen – gemessen an der Zahl der (vornehmlich in Österreich) erschienenen Rezensionen – recht großen Widerhall. Obzwar die meisten Rezensenten ihre Besprechung des biographischen Werkes Daniela Strigls zum Anlass nehmen, mehr über ‚das Objekt‘ ihres biographischen Interesses zu schreiben (also über die Schriftstellerin Marie Ebner von Eschenbach selbst) als über die biographische Studie, widmen manche (vor allem diejenigen, die sich im germanistischen Metier bewegen und selbst mehrere Arbeiten dieser oder anderer Art verfassten, etwa Karl Wagner oder Karl Markus Gauss) sich doch auch der Charakteristik der Studie – und zwar ausschließlich lobend.“

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